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Anerkannter Stand der Technik
Für die Reinigung von Natur- und Kunststein gibt es einen allgemein anerkannten Stand der Technik: den FRT-Leitfaden für mineralische Bodenbeläge. Das ist insofern wichtig, als dass nach BGB jeder Dienstleister danach arbeiten muss – es sei denn, es ist etwas anderes vereinbart worden.
■ I Der Leitfaden wurde von der Europäischen Forschungsge­meinschaft Reinigungs- und Hygienetechnologie e.V. (FRT) in Kre­feld unter der Federführung von Dr. Patrick Casper entwickelt und dann von der Gebäudereiniger-Innung, der Steinmetz-Innung und dem Betonwerksteinverband unterschrieben. Der rennomier- te Keramikhersteller Deutsche Steinzeug AG hat für den kerami­schen Bereich mitgewirkt.
Naturstein ist neben Holz einer der ältesten verwendeten Bau­stoffe für Bodenbeläge. Die Vielz ahl der angebotenen Gestein e mit unterschiedlichsten Eigenschaften und Oberflächen ist fast unerschöpflich. Zudem gibt es noch diverse Reinigungsempfeh­lungen , die oft herstellerbezogen und nicht immer sinnvoll für einen Die nstleister sind (Beispiel: „Warmes Wasser und Seife benutzen.“ ). Zusätzlich kommt noch die Anforderung an rutsch­hemmende Oberflächen hinzu.
Eine der materialtypischen Eigenschaften von Naturstein ist die Kapillarität. Das bedeutet, dass zwischen den Kristallen mitei­nander verbundene Hohlräume sind. Das ist wichtig , denn bei einer Grundreinigung können nur die oberflächennahen entfernt werden. Ein Neuzustand ist mit einer k lassischen Grundreinigung nie zu erreichen.
Kate gorien von Kun ststeine n
Kun ststeine sind in verschiedene Kategorien eingeteilt. ► Kunstharzgebundene Materialien Marmor-Agglo und Quarz-Agglo: Bei beiden werden in der Regel Polyesterharze mit Naturstein vermischt. Marmor-Agglos beste­hen aus Kalkstein- umd Marmorbrocken, die mit dem Bindemittel Kunststoff vermischt und in Blöcken gegossen werden. Nach der Erhärtung werden daraus Tafeln oder Bodenplatten gefertigt. Das Produkt war früher ein Low-Budget-Material und hat zumindest bei den Sorten, die Ähnlichkeit mit Betonwerkstein haben, seit den 1980er-Jahren an Bedeutung verloren. Neuere Sorten sind sehr feinkörnig und farbig. Die Verwendungsmöglichkeit ist durch die Brandklasse (Bl) bei Fluchttreppenhäusern eingeschränk t.
Anders sieht es bei den seit etwa zehn Jahren auf dem Markt befindlichen Quarzagglomeraten aus. Quarz, ein sehr hartes M ine­ral, wird plattenweise gegossen und bearbeitet. Die hohe Abrieb­festigkeit macht es zu einem mittlerweile viel genutzten Material.
Rein optisch gibt es kaum einen erkennbaren Unterschied. ► Zementgebundene Materialien Betonwerkstein: Der Klassiker in der Resteverwertung. G esteins­brocken, in der Regel Marmor und Kalkstein, werden mit dem Bindemittel Zement und Farbstoffen vermischt und dann verlegt.
Meistens werden sie leider danach mit verschiedensten Mittel­chen „eingepflegt“, die eine ordnungsgemäße Reinigung verhin­dern. Zu dieser Gruppe gehören auch die wieder in Mode gekom­menen Zementplatten.
Keramik: Der erste künstliche Baustoff der Menschheit war die Keramik. Aus Naturmaterialien wie Lehm (verwitterte Granitres­te) wird durch Hitze ein neues Material gefertigt, das auch ver­schiedenste Eigenschaften hat.
Selten sind Reinigungsdienstleister studierte Geologen, Betontech­niker oder Keramikingenieure, um die einzelnen Materialien zu erkennen und deren Eigenheiten zu berücksichtigen. Deshalb gibt es Hilfsmittel, die dafür sorgen, dass eigentlich jeder die wichtigen Fragen beantworten kann. Ausnahmen wird es immer geben, aber für 99,8 Prozent der Materialien ist es ausreichend.

Test T. Reinigen oder Pflegen?
► Reinigen ist die Entfernung von Schmutz. ► Pflegen ist das bewusste Hinterlassen von Rückständen.
Durch fehlende oder fehlerhafte Unterlagen ist nicht imm er erkennbar, welche Behandlung der Belag benötigt. Film bild en­de Produkte wie Seifen, Polymere, Wachse und so weiter führen bei Hartgesteinen (Granit, Basalt & Co.) und fast allen kerami­schen Produkten zu einem Schmierfilm, der oft zusätzlich noch die werkseitig eingestellte Rutschsicherheit negativ beeinflusst.
Kommt dann noch Wasser (eingetragenes Wasser) hinzu, kann eine gefährlich glatte Oberfläche entstehen, die auch noch optisch schlech t aussieht.
Weichgesteine wie Marmor, Kalkstein, Betonwerkstein oder grob­keramisch e Produkte wie Terracotta sollten pflegend gereinigt werden, um die schnell auftretenden Gebrauchsspuren zu über­decken beziehungsweise um Laufspuren zu kaschieren.
Dazu ein Zitat aus dem FRT-Leitfaden: „Bei der Verwendung von Seifen reinig ern oder Ste inseife entstehen zusammen mit der
Wasserhärte die sogenannten Kalkseifen. Diese sind in der Regel unlöslich und dringen langsam in die Poren der Weichgesteine ein beziehungsweise heften sich an deren Oberfläche. Diese ober­flächlich anhaftenden Kalkseifen können dann mechanisch ver­dichtet und auspoliert werden. Hierdurch entstehen mit der Zeit ein seidenmatter Glanz und ein leichter Schutzfilm. Dieser Film kann dann bei Bedarf mit einem geeigneten Grundreiniger relativ leicht wieder entfernt werden.“ Allerdings gibt es auch pflegende Produkte, die sich nicht mehr mit wässrigen Lösungen entfernen lassen. Wer kennt das nicht, Glänzer aus dem Consumerbereich? Solche wässrigen Polyacryla- te gibt es auch im professionellen Bereich. Sollte der Reinigungs­dien stleister auf solch eingepflegte Böden treffen, dann benötigt er professionelle Hilfe, um das Problem gemeinsam mit dem Auf­traggeber zu lösen.
Zur Beurteilu ng, ob ein Material gep flegt werden sollte oder nicht, gibt es den sogenannten Ritztest: Mit Hilfe eines Cutters oder Teppichmessers an einer unaufälligen Stelle (also nicht mit­ten unter dem Kronleuchter) geht das recht schnell. Mit leichtem Druck versucht man einen Kratzer zu erzeugen. Sind keine Krat­zer sichtbar oder fühlbar, sollte das Material nur gereinigt werden.
Im Gegenzug, wenn Kratzer fühlbar oder sichtbar sind, kann das Material gepflegt werden. Wichtig hierbei ist es, Me tallablage­rungen des Messers nicht mit einem Kratzer zu verwechseln. Das Pflegen führt in der Regel zu einer Farbtonvertiefung, was dann auch gewollt ist.
Test 2: Sauer oder nicht sauer reinigen?
Die Zementschleierentfernung funktioniert entweder mechanisch durch Abschleifen oder chemisch durch eine Säure. Die Ritzhärte sagt nichts über die Säurebeständigkeit aus. Es gibt auch „buckel­harte Basanite“, die auf Säuren reagieren. Jede Säure hat ebenfalls Vorlieben und Eigenheiten, was bereits in einem früheren Artikel (rationell reinigen 4.2005, Seite 34) erläutert wurde.

Im Bereich mineralischer Werkstoffe wird die Säurebeständigkeit mit der Standardsäure in der Gebäudereinigung, der Amidosul- fonsäure, geprüft. Mit einer Pipette ist ein unverdünnter Tropfen vom Sanitärreiniger mit Amidosulfonsäure an unauffälliger Stelle auf den Belag zu geben. Schäumt es, dann kann Kalkschmutz aus dem Wasser oder Zem entschleier nur mechanisch entfernt wer­den. Aber Achtu ng, manche Steine schäumen nicht auf, sondern reagieren mit einem Farbumschlag! Deshalb die Stelle nachspülen und trocknen lassen. Zu den kritischen Materialien gehören grüne Serpentinite oder schwarze B asanite, die oft fälschlich erw eise als Basalte bezeichnet werden.
Im Leitfaden ist übrigens nachzulesen, dass eine Zem entschleier­entfernung als Nebenleistung vom Verleger durchzuführen und nicht Bestandteil der Bauendreinigun g ist.
Test 3: Liegt eine angegriffene „Schmutzpolitur“ vor?
Ein Test aus der Pra xis, der viele Probleme klärt, ist der Glitsch­test. Wer kennt das nicht? Reifenabdrücke von Reinigungsauto­maten auf Keram ik oder Granit; Wasserflecken auf schw arzen Basalten oder Feinsteinzeug; Granit, der durch Amidosulfonsäure matt geworden ist. Das alles hat eine gemeinsam e Hauptursache: Die „Schmutzpolitur“ wird angegriffen.
Damit sind Härtebildner gemeint, die durch die Reinigung auf­gebracht werden. Tensidreste, die bei jedem Reinigungsvorgang Zurückbleiben können, kleben auf dem Boden. Ursache ist neben einer Überdosierung eine „wasserarme“ Reinigung. Die so a uf dem Boden verbleibenden Tenside bilden dann mit dem Kalk aus dem Wasser und dem Schmutz eine sehr stark klebende, aber hauch­dünne Sch icht, die sogar polierfähig ist. Daher auch die Bezeich­nung „Schmutzpolitur“.
Die Entfernung mit einem Grund reiniger ist in der Regel nicht möglich, da fast immer nur die oberste Schicht angelöst und eine neue aus dem Grundreiniger aufgetragen wird. Die Entfernung ist aber unter anderem mit Mikrofaserpads und klarem Wasser
meistens möglich – das dauert allerdings. Schnellere Methoden sind im Einzelfall zu prüfen.
Die Durchführung des Glitschtests ist relativ sim pel. Man gibt etwas stilles Mineralwasser auf den Bodenbelag und wartet circa vier Minuten ab. Dann geht man mit zwei Fingern und Druck über die nasse Stelle. Fühlt es sich glitschig an, dann sind es Rei­nigungsmittelreste, denn kein Naturstein- oder Kun ststeinbelag wird durch Wasser oberflächlich angelöst und schmiert.
Fleckentfernungskonzept und mehr
Der FRT-Leitfaden hat auch noch mehr zu bieten, als die drei Tests.
Das ebenfalls enthaltene Fleckentfernungskonzept für Natur- und Kunststein ist durch jahrzehntelange Erfahrung der Teilnehmer entstanden. Die Sch adensbilder mit Erklärungen runden den Leitfaden ab. Dieser dient oft auch als Grundlage für Gutachten und wird zur Bewertung herangezogen, ob die Ausführung der Reinigung und die Verfahrensauswahl den anerkannten Regeln der Technik entsprechen. Das gilt auch für Ausschreibungen. Der Satz „Die Unterhaltsreinigun g ist so durchzuführen, dass keine Grundreinigung notwendig ist“ entspricht nicht den nach BGB geforderten Regeln der Technik und kann somit im Klagefall als nichtig angesehen werden. Deshalb ist der FRT-Leitfaden ein Muss für jeden Objektleiter, Bereichsleiter oder M eister und Techniker.
Er kann bei der Europäischen Forschungsgmeinschaft Reinigungs­und Hygienetechnologie e.V. kostenlos bezogen werden, Kontakt: info@frt.de oder Tel. 02151 82101 10. Meist liegt der Leitfaden aber auch den Innungen vor.

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