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Hlerausgelöste Farbpigmente
In einem repräsentativen Bürgerhaus, das für eine Vielzahl von Veranstaltungen inklusive des Catering genutzt wird, waren im Eingangsbereich eine Vielzahl von hellen Flecken und Beschädigungen auf dem dort verlegten Betonwerkstein zu finden. Hier sollte eine möglichst einfache und kostengünstige Lösung für den Objektbetreiber gefunden werden.
■■ Au ffällig war, dass nich t nur optische Beeinträchtigungen in Bereichen Vorlagen, die auf heruntergefallene Nahrungsmittel zurückzuführen waren, sondern auch in manchen Randbereichen, wie in Bild 1 zu sehen. Deutlich zu erkennen ist der hellgraue Fleck im Betonwerkstein, der sich nicht entfernen ließ.
Bei genauerer Betrachtung ließ sich feststellen, dass die Oberflä­che hier scheinbar keinen Schaden genommen hatte. Es schien, als ob der anthrazitfarbene Betonwerkstein an dieser Stelle ent­färbt worden sei. Die dem Sachverständigen während des Orts­termins präsentierten Bereiche m it hellen Flecken waren in ihrer Schadensstruktur ähnlich, wurden jedoch dort, wo unter anderem kohlensäurehaltige Produkte auf den Boden gelangt waren, noch durch Oberflächenbeschädigungen ergänzt.
Alle bemängelten Bereiche hinterließen jedoch den Eindruck der Farbveränderung. Im Laufe des Ortstermins konnte die Proble­matik dann allmählich geklärt werden: Schon kurz nach der Ver­legung des Betonwerksteins hatte man sich dazu entschieden, die ursprünglich graue Farbstruktur der Bodenplatten durch das Einbringen von Farbpigmenten dahingehend zu verändern, dass der Boden in seiner Gesamtoptik dunkler und dadurch in seinem
Erscheinungsbild edler erschien. Damit ließen sich auch relativ schnell und einfach die hellen Flecken erklären. An Stellen, wo kohlensäurehaltige Getränke auf den Boden gelangten, wurde durch das saure Produkt die Oberfläche des Betonwerksteins ver- ätzt. Durch die Beschädigung der Oberfläche wurden gleichzeitig Teile der Farbpigmente ausgeschwemmt.
Die größeren Flecken (siehe Bild 1 und 2) kamen dadurch zustan­de, dass Reinigungstextilien mit Grundreinigungsmitteln sehr lan­ge auf diesen Stellen lagen. Die in den Grundreinigungsmitteln enthaltenen Lösemittelkomponenten sorgten aufgrund der langen Ein wirkzeit dafür, dass auch hier wieder Teile der Farbpigmente aus der Oberfläche herausgelöst worden sind.
Ein Nachfärben der Oberfläche wäre mit Sicherheit möglich gewesen, hätte jedoch einen hohen Aufwand in der Vorbehand­lung (Grundreinigung) bedeutet. Mit dem erneuten Aufträgen von Farbpigmenten hätte aber wieder eine homogene Oberfläche geschaffen werden können. Aufgrund der regelmäßigen Nut­zung des Objektes wurde allerdings gemeinsam mit dem Objekt­betreiber nach einer anwendungssicheren Lösung gesucht, bei der man davon ausgehen konnte, dass in Zukunft das Auswaschen von Farbpig me nte n ve rhinde rt werden kann.
Aus diesem Grund entschied sich der Sach­verstän dige dafür, eine Musterfläche mit hoc hwertigen natür lichen Pflegekomp o­nente n aus Seifen und Ca rnaubawachs anzulegen. Mit folgendem Ergebnis (siehe Bild 3, linker Bereich). Die Pflegekompo­nenten sorgen dafür, dass die Farb struktur des Betonwerksteins angefeuert wird. Das heißt, dass die Farbinte nsität erhöht wird und die Wachse gleichzeitig eine geringe Schutzk om ponente ge ge nü be r eind rin ­genden Verschmutzungen bieten. Im vor­liegenden Fall konnten die geschädigten Platten so partiell übe rpflegt werden, um das Gesam tersch ein ungsb ild gleichmäßi­ger zu ges talten. Lan gfris tiges Ziel ist es, die Farbp igmente durch die Unterh altsrei­nigung zu entfernen und die ursprüngliche Farbs tru ktu r d urch die natürlichen Seifen und Wachse zu intensivieren
3 Lösung: Pflegekomponenten sorgen dafür, dass die Farbstruktur angefeuert wird (links im Bild).
Rechts die unbehandelte ausgewaschene Fläche.
rationell reinigen | 3.2017
chwamborn
Sascha Hintze, Gebäudereinigermeister, öffentlich bestellter und vereidigter Sach­verständiger, Sachverständigenbüro für Gebäudereinigung & Entwicklung, Duisburg, hintze@sachverstaendigenbuero-hintze.de.

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